ERP war gestern – Warum smarte, vernetzte Insellösungen der bessere Weg sind
Einleitung
Die digitale Revolution macht auch vor der Holzbaubranche nicht halt. Geschäftsführer und Bauunternehmer stehen vor der Herausforderung, traditionelle Prozesse zu digitalisieren – oft ohne tiefes IT-Wissen.
Im ersten Teil unserer Serie haben wir die Tücken klassischer ERP-Systeme beleuchtet. Viele Betriebe hofften, mit „Alles-in-Einem“-Software all ihre Aufgaben abzudecken. Doch die Realität zeigte: Solch monolithische ERP-Lösungen bringen häufig mehr Probleme als Nutzen. In diesem zweiten Teil betrachten wir eine Alternative: vernetzte Insellösungen.
Dabei handelt es sich um mehrere spezialisierte Software-Tools, die über Schnittstellen miteinander verbunden sind. Dieses „Best-of-Breed“-Prinzip verspricht schnellere Ergebnisse, mehr Flexibilität und Unabhängigkeit. Wir erläutern zunächst die Schwachstellen klassischer ERP-Systeme und zeigen dann, wie vernetzte Insellösungen diese umgehen. Anschließend betrachten wir aktuelle technologische Entwicklungen – von standardisierten APIs bis hin zu No-Code-Tools und KI-Agenten, die das Zusammenspiel verschiedener Anwendungen heute erleichtern.
Praxisbeispiele aus dem Holzbau veranschaulichen, wie Unternehmen diesen Weg erfolgreich gegangen sind. Abschließend geben wir Empfehlungen, wie Sie Schritt für Schritt mit vernetzten Insellösungen starten können. Ziel ist ein leicht verständlicher Leitfaden, der Ihnen zeigt: Die Wahl der richtigen Software sollte am Ende Ihrer Digitalisierungsstrategie stehen – nicht am Anfang.
Dieses Video wurde von der Sora-KI generiert.
1. Herausforderungen mit klassischen ERP-Systemen
Große ERP-Systeme galten lange als der Königsweg, um alle Betriebsabläufe unter einem Dach zu vereinen. In der Praxis kämpfen besonders kleine und mittelständische Bau- und Holzbauunternehmen aber mit typischen Problemen solcher All-in-One-Lösungen:
Langwierige Implementierungen
Die Einführung eines ERP ist oft ein Mammutprojekt. Statt der versprochenen „schnellen Lösung“ ziehen sich viele ERP-Projekte über viele Monate oder sogar Jahre hin. Über die Hälfte aller ERP-Einführungen dauert länger als geplant. Ein extremes Beispiel lieferte der Handelskonzern Lidl: Dort wurde ein 7-jähriges ERP-Projekt nach Investitionen von rund 500 Mio. € ergebnislos abgebrochen. Solch lange Umsetzungszeiten bedeuten für Unternehmen nicht nur Frust, sondern auch, dass man jahrelang auf versprochene Verbesserungen warten muss.
Hohe Kosten
Große ERP-Systeme verschlingen erhebliche finanzielle Ressourcen – in Anschaffung, Anpassung und Betrieb. Viele Projekte sprengen das Budget: Mehr als 50 % aller ERP-Projekte werden teurer als ursprünglich veranschlagt. Neben Lizenzkosten kommen Kosten für Berater, Schulungen und laufende Wartung hinzu. Problematisch ist: Der Nutzen steht oft in keinem Verhältnis zu diesen Investitionen. Studien schätzen, dass bis zu 60 % der ERP-Projekte ihre Ziele nicht erreichen und 90 % keinen messbaren Mehrwert liefern. So drohen ERP-Einführungen zum „Millionengrab“ zu werden.
Starre Strukturen
Ein ERP-System versucht, alle möglichen Prozesse abzubilden – was dazu führt, dass es komplex und unflexibel ist. Unternehmen müssen ihre Arbeitsabläufe oft an die Software anpassen, statt umgekehrt. Branchenindividuelle Anforderungen lassen sich nur durch teure Sonderprogrammierungen abbilden, wenn überhaupt. Änderungen (z.B. neue Geschäftsmodelle oder Prozessverbesserungen) sind innerhalb eines ERP häufig schwerfällig umzusetzen. Die Folge: Innovationen werden ausgebremst. In einem Holzbau-Unternehmen zeigte sich etwa, dass die eingesetzte Software den wachsenden Anforderungen nicht gerecht wurde – sie lief langsam, war schwer bedienbar und bot „keine Flexibilität, keine offenen Schnittstellen“. Solche starren Systeme passen sich nicht mit dem Unternehmen an, sondern zementieren veraltete Abläufe.
Hohe Abhängigkeit vom Anbieter
Setzt man voll auf einen ERP-Hersteller, begibt man sich in ein Abhängigkeitsverhältnis. Upgrades, Bugfixes, Erweiterungen – all das liegt in den Händen eines einzigen Anbieters. Wenn dieser die Preise erhöht oder den Support einstellt, hat das massive Auswirkungen. Ein Wechsel des ERP ist meist kaum möglich, ohne beträchtlichen Aufwand und Risiko. Dieses Vendor Lock-in schmälert die eigene Kontrolle über die IT. Fehlen dem ERP zudem offene Schnittstellen, wird man gezwungen, möglichst alles mit dieser Software abzudecken – selbst wenn Teilbereiche der Lösung nicht optimal sind. Anpassungen durch Drittanbieter oder eigene Entwickler sind oft kompliziert oder vom Hersteller untersagt. Kurz: Man begibt sich in eine technologisch einengende Beziehung. In unserem Beispielbetrieb führte die „hohe Abhängigkeit vom Softwareanbieter“ dazu, dass jede Anpassung teuer und aufwändig war. Die Firma hatte nicht die Hoheit über ihre Datenflüsse, sondern musste sich nach den Vorgaben des ERP-Anbieters richten.
Und jetzt?
Zusammengefasst zeigen sich klassische ERP-Systeme als zweischneidiges Schwert: Einerseits verlockt die Vision einer einheitlichen Lösung. Andererseits offenbaren sich in der Praxis erhebliche Nachteile – insbesondere für mittelständische Holzbaubetriebe, die flexible und kosteneffiziente Lösungen brauchen. Lange Projekte, Kostenexplosionen, mangelnde Anpassungsfähigkeit und Anbieter-Abhängigkeit gefährden am Ende die Wettbewerbsfähigkeit. Kein Wunder, dass die Zufriedenheit vieler ERP-Nutzer gering ist – Schätzungen zufolge sind rund 80 % der Anwender unglücklich mit ihrem aktuellen ERP-System.
2. Vorteile von vernetzten Insellösungen
Als Reaktion auf diese Herausforderungen setzen immer mehr Unternehmen auf vernetzte Insellösungen. Darunter versteht man den gezielten Einsatz spezialisierter Software-Tools, die jeweils in ihrem Bereich führend sind, und deren Verknüpfung zu einer individuellen Gesamtlösung. Anstatt alle Funktionen von einer einzigen Software zu erwarten, kombiniert man also das Beste aus verschiedenen Welten. Dieses Best-of-Breed-Konzept bringt für Holzbauunternehmen mehrere handfeste Vorteile.
Schnelle Implementierung
Einzelne, schlanke Tools lassen sich wesentlich schneller einführen als ein gigantisches ERP. Wo ein ERP-Projekt oft Jahre dauert, kann eine spezialisierte Anwendung in Tagen oder wenigen Wochen eingerichtet und genutzt werden. Gerade wenn man auf Cloud-Dienste setzt, entfallen Installationsaufwände – man kann quasi sofort loslegen. Außerdem lassen sich Verbesserungen schrittweise umsetzen: Anstatt auf den „großen Wurf“ zu warten, digitalisiert man Prozess für Prozess. Jede dieser Insellösungen liefert schnell Ergebnisse, die sofort genutzt werden können. So ein agiles Vorgehen bringt rasch spürbaren Nutzen und motiviert das Team. Untersuchungen bestätigen dies: Best-of-Breed-Lösungen haben kürzere, günstigere Einführungszeiten – sie sind oft in Wochen oder wenigen Monaten produktiv, statt erst nach Jahren. Diese Geschwindigkeit verschafft Unternehmen einen Zeitvorsprung in der Digitalisierung.
Geringere Kosten
Vernetzte Speziallösungen können preislich vorteilhafter sein. Statt einer großen Anfangsinvestition für ein ERP verteilt sich das Budget auf mehrere kleine Tools. Viele cloudbasierte Dienste arbeiten mit monatlichen Nutzungsgebühren oder sogar kostenlosen Grundversionen. Man zahlt also nur für das, was man wirklich braucht. Ebenso fallen Anpassungskosten geringer aus: Oft genügen Konfigurationen und Workflows (teure Individualprogrammierung entfällt weitgehend). Durch das stufenweise Vorgehen lassen sich Investitionen über die Zeit strecken. Und falls sich ein Tool doch als unpassend erweist, kann man es austauschen, ohne das gesamte System zu verlieren. All das reduziert das finanzielle Risiko erheblich. Faster ROI statt Millionenprojekt: Weil jede Insellösung schnell einsatzbereit ist, erzielt man Nutzen und Produktivitätsgewinne früher – im Idealfall amortisieren sich einzelne Tools bereits nach wenigen Monaten Betrieb. Insgesamt sind die Total Cost of Ownership bei einem Netzwerk aus passenden Tools oft niedriger als bei einer großen Suite, die teilweise ungenutzte Funktionen mitbezahlt bekommen will.
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
Jedes Tool einer vernetzten Lösung ist ein Spezialist für seinen Zweck – und genau darin oft besser als ein generalistisches ERP-Modul. Das heißt, ein dediziertes Projektmanagement-Tool oder eine spezialisierte Kalkulationssoftware erfüllt die Anforderungen der Anwender meist passgenauer und ist benutzerfreundlicher. Änderungen im Unternehmen lassen sich flexibel abbilden: Kommt eine neue Anforderung, sucht man ein geeignetes Tool hinzu oder erweitert ein bestehendes – man ist nicht gefangen in einem starren System. Diese Modularität ermöglicht es, stets die optimalen Werkzeuge einzusetzen. Zudem bleiben die Software-Anbieter durch Konkurrenzdruck innovativ und verbessern ihre Produkte kontinuierlich. Aus Anwendersicht führt das zu aktuelleren Funktionen und häufigeren Updates, ohne dass man selbst große Upgrade-Projekte stemmen muss. Die Benutzerakzeptanz steigt ebenfalls, da die einzelnen Lösungen intuitiver sind und nur das abdecken, was die jeweilige Nutzergruppe benötigt (statt überfrachteter ERP-Masken). Unterm Strich passt sich eine Landschaft vernetzter Lösungen den Geschäftsprozessen an – und nicht umgekehrt. Das Unternehmen behält die Freiheit, seine Digital-Strategie aktiv zu gestalten und jederzeit neue Technologien einzubinden, wenn diese Mehrwert versprechen.
Eigenständige Kontrolle über den Datenfluss
Vernetzte Insellösungen geben dem Unternehmen die Hoheit über seine Prozesse und Daten zurück. Man entscheidet selbst, wie die Anwendungen miteinander kommunizieren. Durch den Einsatz offener Schnittstellen (APIs) können Daten punktgenau dort ausgetauscht werden, wo es nötig ist – etwa Auftragsdaten vom CRM ins Planungstool, oder Arbeitszeiten von der Zeiterfassung ins Abrechnungssystem. Wichtig ist: Die Daten gehören dem Unternehmen, nicht einer einzelnen Software. Es gibt keinen „Closed Shop“, in dem alles in einer proprietären Datenbank eingesperrt ist. Stattdessen lässt sich eine individuelle Integrationsarchitektur aufbauen. Diese Unabhängigkeit minimiert Vendor Lock-in: Sollte ein Anbieter oder Dienst nicht mehr passen, ersetzt man nur dieses eine Modul und verbindet das neue wieder über Schnittstellen. Die restliche Systemlandschaft bleibt intakt. Auch bleibt man flexibel gegenüber externen Partnern – etwa kann man Lieferanten, Kunden oder Subunternehmer über definierte Schnittstellen anbinden, ohne das Gesamtsystem zu gefährden. Kurz: Vernetzte Lösungen ermöglichen Datenflüsse in Eigenregie. Das Unternehmen bestimmt die Spielregeln der Vernetzung und kann sein digitales Ökosystem kontinuierlich optimieren, ohne auf die Gnade eines einzigen ERP-Herstellers angewiesen zu sein.
Natürlich erfordert der Betrieb mehrerer vernetzter Tools auch Koordination. Früher sprach man bei separaten Lösungen abschätzig von „Silos“ oder Insellösungen, die nicht miteinander reden. Doch genau hier liegen dank moderner Technologie heute keine unüberwindbaren Hürden mehr (siehe nächster Abschnitt). Wichtig ist ein gutes Konzept, welche Anwendung welche Aufgabe abdeckt, und wie die Übergaben definiert sind. Hat man dies aber durchdacht, dann bietet dieser modulare Ansatz genau jene Agilität, die in einer dynamischen Branche wie dem Holzbau überlebenswichtig ist. Statt einem großen Tanker hat man eine Flotte wendiger Boote, die man je nach Bedarf formieren kann.
3. Technologische Entwicklungen, die Insellösungen stärken
Warum ist das Konzept der vernetzten Insellösungen heute so viel realistischer und attraktiver als noch vor einigen Jahren? Die Antwort liegt in den enormen technologischen Fortschritten der letzten Zeit. Verschiedene Entwicklungen sorgen dafür, dass Integration kein Hexenwerk mehr ist und auch Nicht-Techniker komplexe Software-Landschaften managen können. Die wichtigsten Treiber sind:
API-Standardisierung
APIs (Application Programming Interfaces) sind standardisierte Schnittstellen, über die Software-Systeme miteinander kommunizieren können. In den letzten Jahren haben sich offene Web-Standards (wie RESTful APIs mit JSON-Datenformat) praktisch überall durchgesetzt. Fast jede moderne Software – ob Buchhaltungsprogramm, CRM oder Zeiterfassung – bietet eine API an. Diese gemeinsamen „Sprachen“ machen es vergleichsweise einfach, Daten automatisiert von einem System ins andere zu übertragen. Musste man früher individuelle Schnittstellen programmieren, gibt es heute oft schon fertige Anknüpfungspunkte. Offene Schnittstellen sind unverzichtbar geworden und bilden die Grundlage für flexible Vernetzung. Durch sie können Speziallösungen nahtlos ins Unternehmensgefüge eingebunden werden. Der Siegeszug der APIs wird von der Branche aktiv vorangetrieben: In einer Umfrage 2024 gaben 74 % der befragten Unternehmen an, inzwischen einen „API-first“-Ansatz bei neuen Softwareprojekten zu verfolgen – Integration wird also von Anfang an mitgedacht. Diese Entwicklung der API-Standardisierung bedeutet: Selbst unterschiedliche Programme und Dienste „verstehen“ sich heute viel besser, was vernetzte Insellösungen überhaupt erst praktikabel macht.
No-Code- und Low-Code-Plattformen
Eine Revolution im Softwarebereich ist die Entstehung von No-Code und Low-Code-Plattformen. Diese Tools ermöglichen es, Anwendungen und Workflows ohne Programmieraufwand zu erstellen oder zu verbinden. Zwei Beispiele: n8n ist ein Open-Source-Tool, mit dem sich per Drag-and-Drop verschiedenste Software-Services in Abläufen verknüpfen lassen. Relevance AI bietet eine Plattform, um eigene KI-gestützte Anwendungen zu bauen, ohne selbst Code zu schreiben. Solche Plattformen senken die technische Hürde enorm – auch kleinere Unternehmen können Prozesse automatisieren, ohne eigene Entwicklerteams. No-Code heißt: Vorgefertigte Bausteine und grafische Oberflächen ersetzen das händische Coden. So kann ein Power-User aus der Fachabteilung beispielsweise einen Workflow einrichten, der automatisch Kundendaten vom Webformular ins CRM spielt und eine Aufgabe im Projektmanagement-Tool erzeugt – alles durch Konfiguration statt Programmierung. Die Marktforscher von Gartner prognostizieren, dass bis 2025 rund 70 % der neu entwickelten Business-Anwendungen mittels Low-Code/No-Code-Techniken entstehen werden (verglichen mit unter 25 % im Jahr 2020). Dieser Trend zeigt: Technikaffinität ist keine Voraussetzung mehr, um Software anzupassen. Das kommt insbesondere handwerklich geprägten Branchen zugute, in denen Programmier-Know-how rar ist. No-Code-Plattformen befähigen die Anwender selbst, ihre vernetzten Insellösungen zu gestalten.
Automatisierungs-Tools (iPaaS)
Eng verwandt mit No-Code sind Integrations- und Automatisierungsdienste wie Make.com (ehemals Integromat) oder Zapier. Diese cloudbasierten Dienste funktionieren als Vermittler zwischen Anwendungen. Sie enthalten hunderte vordefinierte Schnittstellen zu gängigen Systemen. Über einfache Wenn-Dann-Logik kann man definieren: „Wenn in Tool A Ereignis X eintritt, führe in Tool B Aktion Y aus.“ Beispielsweise: „Wenn ein neues Projekt in Asana angelegt wird, lege automatisch einen Ordner in Google Drive an und benachrichtige das Team per Chat.“ Solche Abläufe lassen sich in benutzerfreundlichen Oberflächen zusammenklicken. Die Tools kümmern sich im Hintergrund darum, die APIs der jeweiligen Anwendungen anzusprechen. Make.com etwa wurde im Projekt Holzbau Henz gezielt eingesetzt, um die verschiedenen neuen Systeme zu verbinden. Das Tool fungiert wie ein digitaler Klebstoff, der dafür sorgt, dass kein „Daten-Silo“ entsteht. Ähnlich wie Baukästen das Erstellen von Websites vereinfachten, nehmen einem diese iPaaS-Dienste den technischen Integrationsaufwand ab. Auch Microsoft bietet mit Power Automate oder Google mit App Script vergleichbare Integrationslösungen im eigenen Ökosystem an. Für beinahe jede Standardsoftware gibt es heute entsprechende Konnektoren. Damit sind automatisierte Workflows und Datensynchronisationen keine Privilegien großer IT-Abteilungen mehr – jedes Unternehmen kann seine verschiedenen Insel-Tools so orchestrieren, dass sie wie ein großes Ganzes funktionieren. Die Kosten solcher Dienste sind oft überschaubar (häufig nutzungsbasiert oder mit Freemium-Einstieg), was ihre Verbreitung zusätzlich fördert.
KI-Agenten und intelligente Assistenten
Der neueste Entwicklungssprung sind künstliche Intelligenzen, die eigenständig Aktionen in Software ausführen können. Ein aktuelles Beispiel ist OpenAI’s Operator – ein KI-Agent, der Web-Aufgaben autonom erledigt. Andere Beispiele sind “Computer Use” von Claude oder Manus AI. Solche Agenten nutzen fortschrittliche Modelle, um den Nutzerwunsch in Abfolgen von Aktionen umzusetzen, als würde ein Mensch die Maus bedienen. Perspektivisch könnten KI-Agenten als Metaschicht zwischen den Insellösungen agieren: Sie verstehen natürliche Sprache oder komplexe Anfragen und führen dann selbstständig die nötigen Schritte in den angebundenen Systemen aus. Man könnte etwa der KI sagen: „Plane nächste Woche zwei Zimmerer für Projekt XY ein und informiere den Bauleiter.“ Der KI-Agent sammelt dann die Informationen aus dem Planungstool, sucht verfügbare Mitarbeiter im Ressourcenplan, trägt die Zeiten ein und versendet Benachrichtigungen – alles im Hintergrund, ohne dass der Nutzer jeden Schritt manuell ausführen muss. OpenAI Operator demonstriert bereits, wie eine KI Termine buchen oder Einkäufe erledigen kann, indem sie verschiedene Webseiten und Dienste bedient. Übertragen auf unsere Softwarelandschaft heißt das: Intelligente Automatisierung. KI-Agenten könnten künftig Daten aus verschiedenen Insel-Tools konsolidieren (z.B. einen Bericht erstellen, der CRM-Daten und Produktionszahlen kombiniert) oder Benutzeranliegen selbstständig in den richtigen Anwendungen abwickeln. Wichtig für wenig IT-affine Entscheider: Die Interaktion mit solchen KI-Assistenten kann in natürlicher Sprache erfolgen – man braucht nicht zu wissen, welcher API-Call im Hintergrund nötig ist. Natürlich steht diese Technologie noch am Anfang und wird nicht alles lösen. Doch ihre Rolle als Orchestrator könnte Insellösungen noch komfortabler machen. Die Vision ist ein digitaler Mitarbeiter, der zwischen den spezialisierten Programmen vermittelt und Routineaufgaben abnimmt. Unternehmen, die heute auf flexible Lösungen setzen, schaffen damit auch die Grundlagen, um solche KI-Integrationen später nutzen zu können.
Zusammengefasst
Standardisierte APIs, No-Code-Builder, iPaaS-Dienste und KI-Assistenten bilden ein Ökosystem, das vernetzte Insellösungen praktikabel und effizient macht. Was früher ein Alptraum aus Schnittstellenchaos war, ist heute beherrschbar. Man benötigt kein großes IT-Team mehr, um zehn verschiedene Anwendungen im Griff zu haben. Diese Entwicklung kommt insbesondere mittelständischen Betrieben zugute, die pragmatische, sofort nutzbare Lösungen brauchen. Die Technik wächst mit den Anforderungen mit: Wenn neue Bedürfnisse auftauchen, gibt es meist ein Tool und eine Verbindungsoption, um diese abzudecken. Dadurch entsteht eine neue Freiheit in der Softwarewahl. Unternehmen können sich von dem Gedanken lösen, dass es „die eine Software für alles“ geben muss. Stattdessen stellt man sich modulare Bausteine zusammen – wohl wissend, dass diese dank moderner Technologie miteinander sprechen können.
Interessant ist auch, dass viele Firmen ohnehin schon eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen einsetzen, oft ohne es bewusst zu planen (Stichwort „Shadow IT“). Studien zeigen, dass selbst kleine Unternehmen (unter 50 Mitarbeiter) im Schnitt rund 21 verschiedene SaaS-Anwendungen nutzen, bei 50–100 Mitarbeitern sind es bereits über 30 Tools. Diese Tools bewusst zu vernetzen und strategisch auszuwählen, ist also der logische nächste Schritt, um aus der vorhandenen Softwarevielfalt echten Nutzen zu ziehen.
4. Praxisbeispiele aus der Holzbau-Branche
Theorie ist gut – noch überzeugender sind konkrete Erfolgsgeschichten. Drei Holzbau-Unternehmen, alle im Mittelstand verwurzelt, haben den Schritt weg vom klassischen ERP hin zu vernetzten Insellösungen gewagt. Ihre Erfahrungen zeigen praxisnah, welche Tools eingesetzt wurden und welche Effekte das hatte:
Holzbau Henz GmbH
Die Holzbau Henz GmbH (ca. 70 Mitarbeiter, spezialisiert auf Holz-Fertigbau und Modulbau) stand vor einigen Jahren vor erheblichen digitalen Herausforderungen. Man hatte 2018 begonnen, ein umfangreiches ECM-System (DOCUframe) einzuführen, ergänzt um klassische Software wie lokale Microsoft-Tools, eine eigene Server-Infrastruktur und Branchensoftware für Kalkulation und Zeiterfassung (MF-Dach, MF-Zeit). Dieses All-in-One-Paket sollte als unternehmensweiter „digitaler Zwilling“ dienen. Doch bald zeigte sich: Die Lösung wurde den gestiegenen Anforderungen nicht gerecht. Das System lief langsam, war umständlich in der Bedienung und kostspielig im Unterhalt. Vor allem fehlten offene Schnittstellen und Flexibilität – das Unternehmen konnte neue Ideen nicht abbilden und war stark vom Hersteller abhängig. Die Konsequenz: Mitarbeiter waren unzufrieden und wichen wieder auf manuelle Prozesse aus, wichtige Datenflüsse stockten. Ende 2022 entschied man sich für einen Neustart mit vernetzten Insellösungen.
Unter Begleitung von Digitalisierungsexperten wurde ein Masterplan erstellt, der Prozesse und passende Software festlegte. In Phase 1 (Okt. 2023 – Jan. 2024) führte Holzbau Henz vier zentrale Cloud-Tools ein: Google Workspace als Cloud-Infrastruktur (für E-Mail, Dokumente und Ablage), Asana als zentrales Projektmanagement- und Aufgaben-Tool (das „Gehirn des Unternehmens“ für die Koordination von Projekten), HubSpot als CRM-System zur Kontaktverwaltung und E-Mail-Protokollierung, sowie TimeTac für digitale Zeiterfassung und Abwesenheitsverwaltung. Diese vier Anwendungen deckten die wichtigsten Bedarfspunkte ab, von Vertrieb über Projektabwicklung bis zur internen Verwaltung. Bereits nach drei Monaten waren alle Mitarbeiter auf die neuen Tools eingeschult und die alten Systeme konnten abgeschaltet werden. Die Daten (Dokumente, Kundeninfos etc.) wurden migriert, so dass nichts verloren ging.
Die Vorteile stellten sich umgehend ein: Die Belegschaft verfügte nun über einfache, schnelle und mobile Werkzeuge. Informationen fließen seither reibungslos: Was ein Außendienstler ins CRM eingibt, sieht der Projektleiter in Asana und kann Aufgaben ableiten; Arbeitszeiten aus TimeTac stehen sofort für die Lohnabrechnung bereit, usw. Besonders wertvoll war die Integration der Systeme: Über Make.com wurden Google Workspace, Asana, HubSpot und TimeTac miteinander verknüpft, ohne dass eine Zeile Code geschrieben werden musste. Beispielsweise erstellt das Team jetzt automatisiert Projektordner in Google Drive basierend auf Asana-Projekten und synchronisiert Kundendaten zwischen HubSpot und Asana, damit alle stets den gleichen Informationsstand haben. Diese Vernetzung der Insellösungen ermöglichte es Holzbau Henz, Fehlerquellen zu eliminieren (kein doppelte Dateneingabe mehr), Prozesse zu beschleunigen und die Digitalkompetenz im Unternehmen zu erhöhen. Die Mitarbeiter merkten schnell: die neuen Tools machen ihre Arbeit leichter statt komplizierter. Das Unternehmen gewann zudem technologische Unabhängigkeit: Man ist nicht mehr an einen einzigen Anbieter gebunden, sondern hat intern das Know-how, seine Softwarelandschaft selbst zu gestalten (Stichwort: „Know-how im Unternehmen statt Abhängigkeit von Dienstleistern“ ). Für Holzbau Henz stehen heute Flexibilität, Unabhängigkeit und Effizienz im Vordergrund – und genau das liefert die modulare Softwarelösung. Interessant ist auch der Kosteneffekt: Statt hoher Wartungsverträge für die alte ECM-Lösung zahlt man nun nutzungsabhängige Gebühren für die Cloud-Tools, die insgesamt geringer ausfallen. Zudem können Module wie HubSpot je nach Bedarf skaliert oder bei Nichtgefallen ersetzt werden, ohne dass das gesamte Gerüst wackelt. Holzbau Henz hat damit erfolgreich einen der umfassendsten Digitalisierungsprojekte in seiner Geschichte gestemmt – mit vernetzten Insellösungen, die dem Unternehmen einen agilen digitalen Zwilling beschert haben, der mitwächst.
Schwirten & Klein GmbH
Die Schwirten & Klein GmbH ist ein traditioneller Zimmereibetrieb, der bis vor kurzem kaum digitale Tools im Einsatz hatte. Vieles lief klassisch auf Papier und zur Not per Telefon. Die vorhandene EDV beschränkte sich auf Bürosoftware und ein betagtes Branchensystem (UNI Excellent P.2), das allerdings wenig genutzt wurde, da es als schwerfällig, teuer und unflexibel galt. 2023 entschied die Geschäftsführung, einen digitalen Neustart zu wagen – auf der „grünen Wiese“, also quasi bei Null. Ein Auslöser war, dass eine zentrale Mitarbeiterin das Unternehmen verließ und dabei viel Erfahrungswissen verloren ging. Man erkannte, dass Wissen und Prozesse künftig in Systemen abgebildet sein müssen, damit der Betrieb resilient bleibt.
Gemeinsam mit uns entwickelte Schwirten & Klein einen Masterplan, der zunächst die internen Abläufe analysierte und standardisierte (z.B. Auftragsabwicklung vom Angebot bis zur Montage). Auf Basis dieses Plans wurde dann die Softwarearchitektur entworfen. Wichtigste Prinzipien: 100% webbasierte, intuitive Tools mit offenen Schnittstellen. Außerdem wurde ein internes Digitalisierungsteam aus zwei Mitarbeitern gebildet, das eng mit den Beratern zusammenarbeitete und im Projektverlauf gezielt geschult wurde. So stellte man sicher, dass nach Projektende genug Know-how im Haus ist, um selbstständig weiterzumachen. Im Januar 2024 startete die Umsetzung mit Phase 1: Zunächst führte man Google Workspace als Fundament ein. Alle Firmendaten (Dokumente, Tabellen, Fotos etc.) wurden in die Google-Cloud migriert. Dadurch gewann Schwirten & Klein sofort einen großen Mehrwert: Standortunabhängiger Zugriff auf aktuelle Informationen. Die Kommunikation zwischen Baustelle und Büro verbessert sich spürbar, da nun etwa Bauleiter vor Ort per Smartphone auf Pläne oder Checklisten zugreifen können, die zentral abgelegt sind. Die Zeiten von „Ich muss im Ordner im Büro nachsehen“ waren vorbei – das spart täglich Zeit und Wege.
Parallel dazu wurden grundlegende Prozesse automatisiert. Beispielsweise laufen Bautagesberichte jetzt digital: Der Polier füllt ein digitales Formular aus, die Daten landen automatisch in einer geteilten Tabelle, und alle Verantwortlichen erhalten Benachrichtigungen. Zudem wurde die IT-Infrastruktur vereinfacht: Weg von einem fehleranfälligen lokalen Server hin zu Cloud-Diensten mit professionellem Hosting. Das VPN, das zuvor nötig war, um von außen aufs System zu kommen, wurde obsolet – ein Internetzugang reicht. Dadurch stieg die IT-Sicherheit und Ausfallsicherheit deutlich (Google übernimmt Security-Patches, Backups usw.).
Nach diesem schnellen Erfolg ging es an die Auswahl weiterer Tools. Schwirten & Klein entschied sich konsequent für einfach bedienbare Cloud-Software. So nutzt das Team mittlerweile – analog zu Holzbau Henz – Asana für Aufgaben- und Projektmanagement und Clockodo (oder TimeTac) für die digitale Zeiterfassung der Mitarbeiter. Für die Angebots- und Rechnungsstellung setzte man auf Lexoffice, eine webbasierte Buchhaltungssoftware, die sich ebenfalls integrieren lässt. All diese Anwendungen wurden Schritt für Schritt in Betrieb genommen. Wichtig: Die Mitarbeiter wurden eng eingebunden und geschult. Es gab interne „Digitalkurse“, um Berührungsängste abzubauen. Schwirten & Klein hat erkannt, dass die beste Software nichts nützt, wenn die Menschen nicht mitziehen. Durch intensive Schulung und tägliches Üben etablierte sich die neue Arbeitsweise jedoch zügig. Bereits wenige Monate nach Projektstart war Phase 1 weitgehend abgeschlossen: Alle Unternehmensbereiche waren erstmals digital vernetzt.
Der Betrieb spürt konkrete Verbesserungen: Angebotsanfragen landen nun nicht mehr im E-Mail-Postfach einzelner Personen, sondern werden zentral erfasst und im Team bearbeitet; Projektfortschritte sind für alle Beteiligten transparent in Asana einsehbar; die Geschäftsführung hat jederzeit einen Überblick über laufende Baustellen und Ressourcen, ohne persönlich nachfragen zu müssen. Außerdem hat Schwirten & Klein durch das interne Digital-Team eine Unabhängigkeit von externen IT-Dienstleistern erreicht. Man kann viele Anpassungen nun selbst vornehmen und spart dadurch Kosten und Zeit. Die nächsten Phasen der Digitalisierung sind schon geplant: 2025 sollen die Kalkulation und das Controlling mit passenden Tools optimiert werden, ebenso die Einsatz- und Kapazitätsplanung sowie die automatisierte Rechnungsprüfung. Schwirten & Klein geht diese Schritte in sinnvollen Etappen, immer mit Fokus auf praktikable Lösungen, die sofort Mehrwert bringen. Der digitale Neustart ist geglückt: Aus einem fast vollständig analogen Betrieb wurde innerhalb eines Jahres ein modernes digitales Holzbau-Unternehmen, das mit vernetzten Insellösungen agil und zukunftsfähig aufgestellt ist.
Grübbel GmbH
Die Grübbel GmbH (ein traditionsreicher Zimmerei- und Dachdeckerbetrieb) hatte eine etwas andere Ausgangssituation. Grübbel ist stark vertikal integriert: Alle Leistungen vom Abbund über Dachdeckung bis zum Innenausbau werden inhouse erbracht, es gibt kaum Subunternehmer. Dadurch bestanden quasi „Unternehmen im Unternehmen“ – verschiedene Abteilungen mit teils eigenen Projekten. Die große Herausforderung war, diese Vielfalt unter einen Hut zu bekommen, ohne die gewachsene Unternehmenskultur zu beeinträchtigen. Die Geschäftsführung wollte digitalisieren, aber die Identität des Traditionsbetriebs bewahren. Man entschied sich für einen behutsamen, aber gezielten Digitalisierungspfad mit modernen Tools.
Nach Analyse und Masterplanung legte man zwei Kernbedürfnisse fest: 1) Der Betriebsleiter benötigt ein zentrales Tool, um alle Projekte und Mitarbeiter effizient zu steuern – vom ersten Kundenkontakt über Planung und Kalkulation bis zur Montage. 2) Historisch gewachsene Arbeitsweisen und das Handwerks-Know-how sollten respektiert und bei der Softwareeinführung berücksichtigt werden (die Belegschaft sollte das Gefühl haben, die neuen Systeme unterstützen sie, statt Bewährtes zu zerstören). Mit diesen Leitgedanken fiel die Softwareauswahl auf Lösungen, die bereits im Alltag erprobt und akzeptiert sind. Grübbel entschied sich für das bewährte Microsoft 365-Paket als digitale Basis (E-Mails, Kalender, Dateiablage via SharePoint/OneDrive, Teams für Kommunikation), kombiniert mit Asana als zentralem Projekt- und Aufgabenmanagement-Tool. Diese Kombination deckte nahezu alle Prozesse ab: Microsoft 365 liefert die vertrauten Office-Anwendungen und einen Ort für alle Dateien, während Asana die Projektorganisation abbildet.
Nach etwa vier Monaten Vorbereitung (Prozesse definieren, Daten sichten, Schulungen planen) wurde die Lösung innerhalb von zwei Wochen vor Ort implementiert. Das gesamte Grübbel-Team bekam Schulungen in Microsoft 365 und Asana. Im Fokus stand bei der Umstellung vor allem die Migration aller Dateien in die Cloud: Jahrzehntelang lagerten Pläne, Zeichnungen und Dokumentationen in physischen Ordnern oder auf einzelnen PC-Laufwerken. Diese wurden in der Umstellungsphase digitalisiert bzw. auf OneDrive/SharePoint hochgeladen. Jetzt können Poliere auf der Baustelle über Tablets immer die aktuellen Pläne in der Cloud abrufen – ein enormer Produktivitätsgewinn. Asana wurde so konfiguriert, dass jeder Auftrag als Projekt angelegt wird, inklusive aller notwendigen Aufgaben (von Materialbeschaffung bis Abnahme). Die unterschiedlichen Abteilungen (Zimmerei, Dachdeckerei etc.) greifen alle auf dieselbe Plattform zu, was erstmals eine abteilungsübergreifende Sicht auf Projekte ermöglicht.
Ein Beispiel für den Nutzen: Früher fanden Baubesprechungen mit jeder Abteilung separat statt; jetzt aktualisieren alle ihre Fortschritte in Asana, und der Betriebsleiter sieht sofort, wo Engpässe entstehen oder wer Kapazität hat. Dieses Echtzeit-Controlling verbessert Termin- und Kostenverlässlichkeit. Zudem richtete man in Asana automatisierte Workflows ein – z.B. Regeln, die bei Markierung „Fertig“ einer Aufgabe automatisch die nächste Verantwortlichen benachrichtigen. Die interne Kommunikation wurde so deutlich beschleunigt und transparenter. Ein weiterer Effekt: Durch Microsoft Teams und die Cloud-Datenablage ist die Zusammenarbeit über Distanz leichter. Während z.B. Zimmerleute auf Montage sind, können sie per Teams-Call mit der Planung Rücksprache halten und sehen gleichzeitig im geteilten OneDrive-Dokument die Skizzen oder Berechnungen.
Die Mitarbeiter von Grübbel äußerten sich positiv über den Wandel. Anfangs war Skepsis da („Verlieren wir jetzt unsere Handwerks-Tradition an die Computer?“), doch durch intensive Betreuung und das Eingehen auf Fragen wurde Vertrauen geschaffen. In Feedbackrunden lobte das Team insbesondere den persönlichen Support während der Einführung und die spürbaren Erleichterungen im Alltag. Zum Beispiel schätzen alle die Möglichkeit, von überall auf Unterlagen zugreifen zu können – kein Vergleich zu früher, wo man oft im Büro anrufen musste, damit jemand eine Info nachschlägt. Auch die kleine technische „Revolution“ – dass Asana viele lästige Abstimmungen nun automatisch übernimmt – wurde schnell als Gewinn erkannt. Grübbel hat somit erfolgreich gezeigt, dass man Digitalisierung und Tradition vereinbaren kann: Durch die richtige Tool-Auswahl (bekannte Office-Umgebung plus ein intuitives Planungswerkzeug) und schrittweise Einführung mit Rücksicht auf die Mitarbeiter wurde der Wandel gemeistert. Heute profitiert die Grübbel GmbH von deutlich effizienteren Abläufen, ohne ihre Identität als bodenständiger Handwerksbetrieb eingebüßt zu haben. Und auch hier gilt: Sollte in Zukunft ein weiterer Bedarf auftauchen (etwa ein spezielles Tool für Wartungsplanung oder ein CRM), kann dies dank offener Schnittstellen leicht ergänzt und mit den bestehenden Systemen vernetzt werden. Grübbel ist digital fit für die Zukunft – auf seine eigene, maßgeschneiderte Weise.
Lessons Learned
Aus den drei Beispielen lassen sich gemeinsame Erfolgsfaktoren ableiten: 1) Ein klares Konzept (Masterplan) vorab, welche Prozesse digitalisiert werden sollen und welche Anforderungen die Software erfüllen muss. 2) Schrittweises Vorgehen in Phasen, statt Big-Bang – so bleiben Projekte überschaubar und Erfolge schnell sichtbar. 3) Einbeziehung und Schulung der Mitarbeiter von Anfang an, um Ängste abzubauen und internes Know-how aufzubauen. 4) Auswahl einfach bedienbarer, cloudbasierter Lösungen mit offenen Schnittstellen – diese sorgen für schnelle Einführung und problemlose Vernetzung. 5) Nutzung von Integrations-Tools (wie make.com oder Power Automate), um die Datenflüsse zwischen den Anwendungen zu automatisieren. 6) Unterstützung durch externe Digitalisierungsexperten kann hilfreich sein, aber das Ziel sollte immer sein, Unabhängigkeit zu erlangen (etwa durch ein internes Digitalisierungsteam). So haben alle drei Betriebe die Kurve vom analogen oder ERP-geplagten Arbeiten hin zu einer smarten, vernetzten Software-Landschaft bekommen.
5. Schlussfolgerung und Handlungsempfehlung
Fazit: Vernetzte Insellösungen stellen für holzbaubetriebe eine echte Alternative zum klassischen ERP dar. Die Nachteile monolithischer Systeme – lange Projektzeiten, hohe Kosten, mangelnde Flexibilität und Vendor Lock-in – lassen sich durch einen modularen Ansatz deutlich abmildern. Dank moderner Technologien arbeiten spezialisierte Tools heute Hand in Hand. So können Unternehmen sich auf ihre fachlichen Stärken konzentrieren, anstatt von einer übergroßen Software eingeengt zu werden. Unsere Beispiele zeigen, dass diese Strategie in der Praxis funktioniert: Schnellere Implementierung, zufriedene Mitarbeiter und greifbare Effizienzsteigerungen sind das Resultat.
Allerdings ist auch klar: Die Wahl der richtigen Software sollte am Ende der Digitalisierungsstrategie stehen, nicht am Anfang. Was heißt das konkret? Unternehmen sollten zuerst ihre Prozesse und Ziele definieren. Die wichtigste Frage lautet: Was genau will ich digital besser machen – Angebotswesen, Projektplanung, Zeiterfassung, Controlling…? Daraus ergibt sich, welche Funktionen eine Software leisten muss. Oft lohnt es sich, zunächst analoge Abläufe zu straffen oder zu standardisieren (z.B. einheitliche Projektnummern, klare Ablagekonzepte), bevor man sie digital abbildet. Dieser Schritt wird gerne übergangen, führt aber später zu einem saubereren System. Erst wenn Klarheit über die Anforderungen herrscht, geht man an die Auswahl der Tools. Und hier spielt die oben genannte technologische Entwicklung in die Karten: Man muss nicht mehr alle Wünsche in eine Software pressen. Stattdessen kann man für jeden Bedarf das am besten passende Tool wählen – im Bewusstsein, dass man es vernetzen kann.
Eine empfohlene Vorgehensweise für den Start mit vernetzten Insellösungen könnte so aussehen
Digitalisierungs-Check und Zielfindung: Analysieren Sie Ihren aktuellen Status. Wo liegen die größten Schmerzpunkte? Wo wäre mit digitalen Hilfsmitteln sofort viel gewonnen (z.B. Zeitersparnis, weniger Fehler)? Definieren Sie klare Ziele pro Bereich, etwa „Wir wollen die Projektübersicht verbessern“ oder „Wir möchten die doppelte Dateneingabe eliminieren“. Priorisieren Sie diese Ziele.
Masterplan erstellen: Erarbeiten Sie – gerne mit externer Unterstützung oder im Team – einen groben Fahrplan. Welche Prozesse sollen digital unterstützt werden und in welcher Reihenfolge? Legen Sie Meilensteine fest (z.B. „bis Q4 digitale Zeiterfassung einführen, bis Mitte nächstes Jahr digitale Baudokumentation“). Identifizieren Sie pro Prozess die Muss-Kriterien für Software (z.B. mobil nutzbar, Schnittstelle zu XYZ, deutschsprachiger Support etc.).
Passende Tools auswählen: Recherchieren Sie für jeden Bedarf mögliche Software-Lösungen. Orientieren Sie sich an Bewertungen und Erfahrungen aus der Branche. Achten Sie besonders auf Benutzerfreundlichkeit und Integrationsfähigkeit (bietet das Tool APIs? Gibt es Erfahrungsberichte zur Kopplung mit anderen Systemen?). Ziehen Sie, wenn möglich, Ihre Mitarbeiter in die Auswahl ein – schließlich müssen sie damit arbeiten. Scheuen Sie sich nicht, verschiedene Produkte in der Praxis zu testen (viele bieten kostenlose Testphasen). Oft kristallisiert sich schnell heraus, was funktioniert. Setzen Sie bevorzugt auf Cloud-Lösungen, um Infrastrukturaufwand zu sparen. Und denken Sie daran: Einfachheit schlägt Funktionsvielfalt. Das beste Tool nützt nichts, wenn es zu komplex ist.
Schrittweise Implementierung: Führen Sie die neuen Lösungen nach und nach ein, nicht alle gleichzeitig. Starten Sie mit dem Bereich, der den größten Hebel hat oder am dringendsten ist. Planen Sie genügend Zeit für Schulung und Anpassung ein. Kommunizieren Sie frühzeitig, warum die Änderung erfolgt und welchen Nutzen sie für alle bringt. Feiern Sie auch kleine Erfolge, wenn z.B. der erste digital erfasste Bautagesbericht vorliegt – das motiviert fürs Weitermachen. Halten Sie engen Kontakt zu den Nutzern, um Probleme schnell zu beheben und eventuell Konfigurationen nachzubessern. Nutzen Sie die Flexibilität der Tools: passt ein Workflow nicht, ändern Sie ihn eben. Es gibt keinen starren Plan, der 100% stehen muss, bevor man loslegt.
Integration und Automatisierung: Sobald mehrere Tools im Einsatz sind, kümmern Sie sich um die Vernetzung. Identifizieren Sie, welche Daten zwischen den Systemen fließen sollten (z.B. Projektstammdaten vom CRM ins PM-Tool, Zeitstempel von der Zeiterfassung ins Controlling). Nutzen Sie hierfür die erwähnten No-Code-Integrationsdienste wie Make, Zapier oder Power Automate. Beginnen Sie mit einfachen Flows (z.B. 1-2 Automatismen) und erweitern Sie nach Bedarf. Achten Sie auf Datenkonsistenz – definieren Sie, welches System für welche Information die „Quelle der Wahrheit“ ist. Mit jedem automatisierten Schritt reduzieren Sie händische Arbeit und Fehlerquellen weiter. Bleiben Sie aber pragmatisch: Nicht alles muss vollautomatisch sein. Wichtig ist, dass die Hauptinformationen verfügbar und aktuell sind.
Iterieren und Optimieren: Betrachten Sie Ihre Digitalstrategie als lebendigen Prozess. Holen Sie regelmäßig Feedback von den Mitarbeitern ein: Wo hakt es noch? Welche weiteren Wünsche gibt es? Vielleicht stellt sich heraus, dass ein zusätzliches kleines Tool enorm helfen würde (z.B. ein Bautagebuch-App oder ein BIM-Modell-Viewer) – integrieren Sie solche Dinge, wenn sie Mehrwert bieten. Überfrachten Sie aber Ihre Landschaft nicht unnötig; behalten Sie die Kontrolle, welche Insellösung wirklich gebraucht wird. Mit der Zeit werden Sie ein gutes Gespür entwickeln, welcher digitale Baustein der nächste sinnvolle ist. Bleiben Sie flexibel: Der Vorteil Ihres Ansatzes ist ja gerade, dass Sie neue Technologien leicht anbinden können. Nutzen Sie das, um immer auf der Höhe der Zeit zu bleiben.
Abschließend sei betont: Jedes Unternehmen ist anders. Die Kunst besteht darin, die richtigen Werkzeuge für die eigene Situation auszuwählen. Das erfordert zunächst etwas Aufwand in der Planung – zahlt sich aber durch eine passgenaue, zukunftssichere Lösung aus. Vernetzte Insellösungen sind kein Selbstzweck, sondern ein Weg, um Ihre Prozesse optimal digital abzubilden. Sie stehen am Steuer: Die Software folgt Ihrer Strategie, nicht umgekehrt. Dieses selbstbestimmte Vorgehen kann am Anfang ungewohnt sein (kein Verkäufer liefert Ihnen eine fertige Lösung aus dem Katalog). Aber es entspricht genau der Haltung des Handwerks: Mit dem passenden Werkzeug und Können erschaffen Sie etwas, das perfekt zu Ihren Anforderungen passt. Genauso können Sie Ihre digitale Arbeitsumgebung gestalten.
Handeln Sie vorausschauend: Überstürzen Sie keine ERP-Anschaffung, nur weil es alle so machen. Schauen Sie sich erfolgreiche Beispiele in Ihrer Branche an (wie Henz, Schwirten & Grübbel) und lernen Sie daraus. Starten Sie klein, aber smart – und bauen Sie auf Ihren Erfolgen auf. So wird die Digitalisierung nicht zum Stolperstein, sondern zum kraftvollen Motor, der Ihr Holzbau-Unternehmen agiler, effizienter und zukunftsfähiger macht.
Quellen
ERP Focus – “Ten ERP failure statistics that highlight the importance of getting it right…” (Zusammenfassung wichtiger ERP-Projektkennzahlen)
Consultancy.uk (2018) – “Lidl cancels SAP introduction having sunk €500 million into it.” (Fallstudie zu den Kosten und Dauer des gescheiterten Lidl-ERP-Projekts)
werkbank://digital – “Die digitale Entwicklung von Holzbau Henz” (Referenzbericht, Holzbau Henz GmbH; enthält Erfahrungen zu den Grenzen eines ECM/ERP und Wechsel auf vernetzte Lösungen)
Retain International Blog (2023) – “Best-of-Breed vs ERP Software: Pros & Cons.” (Analyse der Vorteile spezialisierter Lösungen, u.a. schnellere und günstigere Implementierung)
Gartner-Prognose zitiert in Codeconductor (2021) – “No Code Statistics – Market Growth & Predictions.” (Vorhersage: bis 2025 entstehen 70% der neuen Anwendungen mit Low/No-Code-Tools)
Ascendix Tech – “How Many SaaS Companies… | SaaS Statistics.” (Statistik: Nutzung von SaaS-Apps nach Unternehmensgröße – KMU mit <100 MA nutzen im Schnitt 21–32 verschiedene Anwendungen)
DataCamp (Jan. 2025) – “OpenAI’s Operator: Examples, Use Cases, …” (Erklärung des OpenAI Operator KI-Agenten, der autonom Web-Aufgaben erledigen kann)
werkbank://digital – Blog-Artikel: “All-in-One vs. vernetzte Insellösungen im Holzbau: Eine Analyse.” (Beitrag über die Bedeutung offener Schnittstellen und den Einsatz von make.com zur einfachen Integration verschiedener Tools)